Skippermappe – Das solltest du als Skipper immer parat haben

Du planst deinen ersten Törn als Schiffsführer und fragst dich, was du als Skipper so alles für deine Mannschaft vorbereiten könntest und vielleicht auch solltest? Wir haben mehrere Jahre gechartert und haben uns neben der Skippermappe auch eine Skippertasche bzw. Skipperbox zusammengestellt. Denn man mag es nicht glauben, es hat sich (leider) bewährt, auch eine ganze Menge eigenes Equipment auf das Charterboot mitzubringen.

In diesem Artikel wollen wir uns aber nur auf die Mappe konzentrieren.

Schreibzeug

Beim Schreibzeug ist die Sache relativ kompakt:

Wir haben genau einen Kugelschreiber an Bord. Nicht weil wir ihn so lieben, sondern weil er dokumentenecht ist und wir ihn daher für Unterschriften und Logbucheinträge benötigen. Tintenroller können leider je nach Papier auf die Rückseite durchweichen und kleine Tintenflecken hinterlassen.

Ein Druckbleistift, 0,7mm und reichlich Ersatzminen sind unser Hauptwerkzeug für fast alles andere. Bleistifte haben den schönen Vorteil, dass sie leicht radierbar sind und sogar auf nassem Papier schreiben können. Mit dem Druckbleistift spart man sich den Anspitzer. Weitere Minen sind zudem viel kompakter als mehrere Stifte. Bei der Auswahl sollte jeder seinen Vorlieben folgen. Ich selbst habe zwei FABER-CASTELL Poly Matic, 0.7 mm im Einsatz. Der Stift ist recht dick und robust und liegt damit auch mit Handschuh gut in der Hand. Stifte mit der Dicke eines normalen Bleistifts sind uns an Bord zudem alle irgendwann zerbrochen. Der Poly Matic hält bisher tapfer durch. Er hat auch ein Radiergummi auf der Rückseite. Den verwende ich aber nicht auf der Seekarte, da er etwas schmiert.

Deshalb kommt ein guter Radiergummi mit ins Schreibzeug. Gut ist ein Radiergummi, wenn er den Bleistift von der Karte entfernt, ohne das Papier der Seekarte zu zerfleddern oder die Tinte ebenfalls gleich mit zu entfernen. Unsere Segelschule empfahl uns den Staedtler Mars Plastic, und er erfüllt die Kriterien ausgezeichnet. Ein Einziger davon wird euch für sehr lange gute Dienste tun, Vorratshaltung nur nötig, wenn man dazu neigt, seine Sachen zu verlieren.

Wasserfeste Stifte in 4 Farben sind gut, um alles Mögliche zu beschriften. Es sollte kein dicker Edding sein. Wir haben noch nie einen an Bord vermisst. Mit dünnen Stiften kann man auch die Linien mehrfach nachziehen. Wir verwenden sie, um Leinen und Fallstopper zu beschriften. Wer sich für länger einrichtet, kann sogar die Schubladen und Schränke mit Kreppklebeband etikettieren und für mehr Ordnung an Bord sorgen. Kreppklebeband ist eines der nützlichsten Klebebänder an Bord, denn es klebt auf fast allem, ist leicht entfernbar, hinterlässt kaum Klebereste und man kann damit viele Sachen für die Crew beschriften.

Wasserlösliche Stifte in 4 Farben komplettieren die Schreibutensilien, denn manches möchte man nicht permanent beschriften. Tipp: Achtet drauf, dass die wasserfesten und wasserlöslichen Stifte optisch möglichst unterschiedlich sind, am besten von verschiedenen Herstellern. Und behaltet diese Trennung bei, um versehentliche Verwechselungen zumindest weniger häufig eintreten zu lassen.

Das ganze dann eventuell mit Navizirkel und Schulzirkel (siehe weiter unten) zusammen in ein Federmäppchen zusammen passt perfekt in den Kartentisch und ist leicht zugänglich. Auf alles, wo Stifte und Zubehör in gummischlaufen eingelegt werden, würde ich verzichten. Etuis, Sortimentstaschen wie diese sehen auf Fotos zwar ordentlich aus, sind aber unpraktisch, weil man bei Lage ohnehin nur eine Hand zum Arbeiten hat. und nichts mehr in die Schlaufen einfädeln will. Nur weg und irgendwo rein damit. Ein Federmäppchen verhindert, dass alles lose im Kartentisch umherfliegt und ist leichter in der Handhabung. Zudem nummt das Fedrmäppchen nur eine kleine Rolle an Volumen ein, eine Mappe ist groß und verstopft den kostbaren Platz im Kartentisch.

Nicht zwingend nötig, aber angenehm kann euer eigenes Navigationsbesteck sein. Auf den meisten Charter-Booten werdet ihr oft nur das Paar Dreiecke und einen ausgeleierten Zirkel mit krummen Spitzen vorfinden. Die eigenen Werkzeuge bieten dagegen immer noch die gewohnte Haptik. Zudem kann man das verfügbare Werkzeug mit Upgrades aufwerten.

Wir haben zwei Kursplotter in unserem Bestand. Beide haben sich wegen ihrer größeren Kantenlänge und schnelleren Handhabung gegenüber den Dreiecken sehr bewährt (für Parallelverschiebungen braucht man sie dann leider doch wieder)

  • Der eine ist etwas dünner und weicher. Er lässt sich prima in die Seekarten-Hefte einlegen und blockiert kaum den Kartentisch. Leider nutzt sich da aber der Aufdruck langsam ab. Zudem nervte für die SSS-Navigation, dass an den langen Kanten nur Zoll-Lineale sind.
  • Der andere ist aus hartem Kunststoff. Die Haptik ist besser, die Drehscheibe häuft etwas geschmeidiger. Dafür ist er aber auch um ein Vielfaches dicker mit dem Knubbel in der Mitte auch blöd zu lagern und daher im Alltag etwas sperriger.

Fürs eigene Boot würde ich den Dickeren empfehlen. Den dünneren da, wo es auf Platz und Mobilität ankommt.

Wer möchte, kann auch einen gewöhnlichen Schulzirkel mit Bleistiftspitze in seinen Bestand aufnehmen. Dieser ist beispielsweise hilfreich bei der Positionsbestimmung mittels Feuer in der Kimm + Peilung des Feuers oder um Abstandsradien um Gefahrenstellen in die Karte zu zeichnen. In der SSS-Prüfung ist er sehr hilfreich. An Bord haben wir keinen, denn das ist ein ziemlicher Nischenfall und in schlimmster Not kann man den rettenden Kreis auch schamlos mit dem Navigationszirkel in die (EIGENE!) Karte ritzen. Wer chartert, sollte besser den Schulzirkel dafür mitnehmen.

Tafeln

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit bereits vertrautem Material selbst am besten arbeiten kann. Wer noch kein Material kennt, dem ist hingegen jedes Hilfsmittel recht. Daher empfehlen wir, dir eine Sammlung beidseitig bedruckter Tafeln mit Funksprüchen, Knoten, Schifffahrtszeichen, Schallsignalen etc. anzulegen. Die solltest du dann am besten einlaminieren und direkt in deine Skippermappe unter „Lehrmaterial“ oder „Übersichten“ einsortieren. Unerfahrene Crewmitglieder werden dir danken, wenn du ihnen diese als Merkhilfen in den Kartentisch legst.

Wer für seine Bootsführerscheine, Funkzeugnisse etc. in einer Segelschule war, hat dort sicherlich bereits einiges an Lehrmaterial mit auf den Weg bekommen. Falls nicht, gibt es auch einige kostenlose amtliche Infoblätter. Zudem findest du auch einige weitere Infotafeln bei uns.

Hier einige interessante Übersichten:

Tipp: Manche Tafeln kann man auch kompakt auf A5 drucken oder halbseitig auf A4 und dann in der Mitte falten. Dadurch nehmen sie weniger Platz ein und stören nicht im Kartentisch. Wir haben unsere Tafeln alle laminiert, damit bleiben sie wetterfest und wiederbeschreibbar (mit den richtigen Stiften).

Checklisten und Vordrucke

Ähnlich wie bei den Infotafeln verhält es sich mit Checklisten.

  • Checkliste Schiffsübernahme
  • Checkliste „Vor dem Ablegen“ (Nach dem Anlegen ist eigentlich das gleiche nur umgekehrt)
  • Checkliste „Beim Verlassen des Schiffs“
  • Notrolle
  • Sicherheitseinweisung (mit Unterschrift der Eingewiesenen)
  • Wachplan
  • Wetteraufzeichnung
  • Logbuch mit durchnummerierten Seiten (sofern nicht an Bord vorhanden).

Für diese Checklisten gibt es im Internet reichlich Vorlagen,von denen am Ende keine so richtig passt. Wir haben auch mit einigen Vorlagen aus dem Internet angefangen, und sind dann dazu übergegangen, die Vorlagen anzupassen oder gleich eigene zu erstellen.

Dokumente

Wir möchten das Thema persönliche Dokumente, wie Ausweise, Versicherungen, Visa, Impfnachweise, etc. hier erstmal ausklammern und uns nur auf das, was du als Skipper speziell benötigst.

Ebenso möchten wir das Thema Schiffspapiere hier zwar aufzählen, aber die ausführliche Diskussion ausklammern, da wir uns hiermit nochmal gesondert befassen werden.

Mäppchen mit Sportbootführerscheinen und Lizenzen

Was du aber immer benötigst, sind deine Bootsführerscheine und Lizenzen. Wir haben unsere gebündelt in einem kleinen Etui zusammengefasst und nehmen sie nur nach Bedarf mit. Das Etui sollte die richtigen Maße haben. Und hinreichend viele Fächer, denn es kommt über die Jahre eine ganze Menge Papier zusammen. Die Plastikkarte vom SBF habe ich neben dem Autoführerschein im Portemonnaie. Falls ich mal spontan irgendwo Bootfahren will.

Als Skipper tragt ihr die Verantwortung für das Schiff und die Mannschaft, und wer regelmäßig chartert, sollte über eine Skipperversicherung nachdenken. Diese wird auch Skipper-Haftpflichtversicherung genannt und haftet für Person-, Sach- und Vermögensschäden, die du als Skipper einem Dritten zufügst, für welche die gewöhnliche, private Haftpflichtversicherung aber nicht eintritt. Sie schützt vor Vermögensverlusten, die durch grobe Fahrlässigkeit oder andere Haftungsfälle entstehen können.

Erstmal an Bord, solltest du eine komplette Crewliste deiner Besatzung erstellen. Mit Namen, Anschrift und Notfallkontakt. Die Besatzung erklärt zudem mit ihrer Unterschrift das Betreten und Verlassen des Bootes, inklusive Datum und Ort. Damit ist nicht der Gang zur Hafentoilette gemeint, sondern das dauerhafte Ausscheiden aus der Mannschaft. Sollte jemand nämlich mitten im Mittelmeer-Törn lieber an Land bleiben, und auf der Heimreise verschollen gehen, hast du den Nachweis, dass er auf eigenen Willen das Schiff verlassen hat, und nicht etwa unter deiner Aufsicht auf See verschollen ist.

Du solltest zudem auch über eine Mitseglervereinbarung, auch Crew-Vertrag genannt, nachdenken, in welcher du mit deiner Crew die Regeln an Bord, die Finanzen, die Haftung für Schäden am gecharterten Boot (oder die Kaution) und andere Dinge regelst. Für dich als Skipper ist dies aus mehreren Gründen wichtig:

  • Klare Verhältnisse. Jedem sind die Regeln klar. Ihr einigt euch gemeinsam auf Finanzielles, Art und Umfang der Versicherungen, aber auch bspw. darauf, dass du als Skipper jemanden, der sich daneben benimmt, von Bord verweisen darfst, ohne Kostenerstattung.
  • Im Segelvertrag werden klar die Rechte und Pflichten des Skippers und der Crew geregelt.
  • Mit Haftungsregelungen kannst du die Haftung für Personen- und Sachschäden innerhalb der Besatzung ausschließen. Damit ist jeder Teilnehmer „auf eigenes Risiko“ an Bord.
  • Mit dem Vertrag konfrontiert, werden sich deine Mitsegler viel früher mit konkreten Fragen der Törngestaltung und der Regeln an Bord auseinandersetzen müssen. Fragen und Unstimmigkeiten kommen damit früher auf, können vorab geklärt werden, und es gibt dann vor Ort weniger potenzielle Stimmungskiller.

Kompaktes Werkzeug

Zum Werkzeug an Bord und schnell erreichbaren Mini-Werkzeug wird es noch eigene Artikel geben. Generell hat es sich aber bewährt, neben der großen Werkzeugsammlung immer auch ein paar schnell verfügbare Werkzeuge in einer kleinen Tasche parat zu haben. Diese Tasche kann irgendwo im Salon an die Handläufe befestigt werden und ist für alle schnell verfügbar.

Digitale Skippermappe

Neben der physischen Skippermappe solltest du dir auch Gedanken über deine digitale Skippermappe machen. Hier ist das Feld der technischen Möglichkeiten, Spielereien und diverser Apps und Anbieter so groß, dass wir hierzu eigene Artikel schreiben werden.

Zusammenfassung

Eine Skippermappe kann insgesamt recht umfangreich werden. Es lohnt sich aber, sich anfangs etwas Zeit für die erste Einrichtung zu nehmen. An den Unterlagen ändert sich später nicht mehr so viel, auch wenn sie natürlich laufend an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Und wenn man selbst nach einiger Zeit bspw. keine Tafeln mehr benötigt, so sind sie vielleicht für die Besatzung und Gäste an Bord hilfreich oder lehrreich und geben ihnen ein Gefühl, dass sie in zuverlässigen und qualifizierten Händen sind.

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