Als Skipper auf einem Charterboot wird man immer etwas vermissen. Die Charterboote sind oft für den Zweck und das Revier gut ausgestattet. Irgendwas fehlt dann aber doch. Wir tragen hier zusammen, welche Ausrüstung wir früher auf Chartertörns mitgenommen haben und auch heute auf dem eigenen Boot weiterverwenden.
Die Liste kann natürlich beliebig lang werden und ist nicht für jedes Revier vollständig oder uneingeschränkt anwendbar. Niemand nimmt das Mehrgepäck freiwillig mit ins Flugzeug. Vieles kann man auch vor Ort nochmal aufrüsten. Und manches ist sogar unnötig und nicht praktikabel.
Inhalt
Was ist eine Skippertasche?
Eine Skippertasche (oder Skipperbox, Charterbox, …) ist eine Sammlung von Ausrüstungsgegenständen oder Gadgets, die eine Mannschaft an Bord zusätzlich gut gebrauchen könnte, die man aber oft nicht oder nicht in der gewünschten Qualität oder Menge vorfindet. Für Bootsbesitzer spielt sie weniger eine Rolle, da man sein Boot ohnehin nach den eigenen Bedürfnissen dauerhaft ausstattet. Hier geht es nicht um die persönliche Ausrüstung, die jeder Mitsegler benötigen könnte, etwa persönliche Lifelines. Hier geht es um die gemeinsam genutzte Ausrüstung für Sicherheit, Komfort und entspanntere Segelfreude. Wir hatten dafür einen mittelgroßen Seesack, in dem wir die kleinen und großen Gadgets zu Hause und auf dem Boot gelagert haben.
Inhalt unserer Skippertasche
Befestigen
Eine der ersten Anschaffungen war eine 22m Leine. Genau genommen haben wir 2 Bootslängen (10m) plus etwas Überhang (2m) gewählt, damit man sie noch greifen kann. Die Stärke von 8mm war für den gedachten Zweck auf einem 32-Fuß-Boot möglichst dünn gewählt, um transportabel zu bleiben. Auf größeren Booten sind mehr Länge und Stärke nötig oder ein Upgrade von Polyesterkern auf Dyneema. Das ist bruchfester und spart Materialstärke zum zweifachen Preis. Weiterführende Artikel zum Umgang mit Leinen gibt es hier.
Wir haben die Leine in erster Linie als Bullenstander verwendet. Das ist eine Leine, mit der verhindert wird, dass der Baum bei Vorwindkursen unkontrolliert auf die andere Seite überkommt. Man nennt das auch Patenthalse, und die kann für Besatzung und Rigg irre gefährlich sein. Die Leine wird von der Baumnock zum Vorschiff und wieder zurück ins Cockpit geführt (daher 2 Bootslängen). Damit konnten wir beherzt und ohne Stress auf Vorwindkuren Schmetterling fahren, d.h. Fock und Groß je auf einer Seite.
Ein weiterer Einsatzzweck war als verlängerte Hilfsleine beim Ablegen. Manche Charterboote haben sehr kurze Festmacherleinen. Damit ist es dann nicht möglich, sich zunächst kontrolliert weit aus der Box zu fieren, denn die vorhandene Festmacherleine endet einfach viel zu früh. Als Festmacher taugt diese 8mm Leine übrigens nicht. Sie ist reckarm und federt daher bei Zugbelastung nicht mit, sondern ruckt hart ein. Man muss damit auch beim Ablegen achtsam umgehen und die Leine stets auf Spannung halten, denn ein Ruck könnte die Klampe rausreißen.
Neben der dicken Leine haben wir auch eine Rolle 3mm Polyester-Tauwerk mitgenommen. Man kann damit fast alles an Bord anbinden. Diese Praxis hat sich so gut bewährt, dass wir selbst auf dem eigenen Boot an mehreren Stellen dafür Verwendung gefunden haben. Als Pilotleine beim Kabelverlegen. Als Schlaufe am Steuerstand, um unser Handfunkgerät einzuhängen. Als Sicherung für überschüssige Leinen und Festmacher. Die Leine könnt ihr mit fast allem zuschneiden. Mit einem Sturmfeuerzeug kann man die geschnittenen Enden einfach dünn anschmelzen und so gegen Ausfransen und Verrutschen sichern. Definitiv ein Must-Have!


Ebenfalls hat sich eine kleine Sammlung von Segelbindern und Zeisingen bewährt. Gemeint sind zum einen Gurtbänder, mit denen man bspw. ein eingeholtes Großsegel kurzzeitig am Baum sichern kann. Damit kann man verhindern, dass das Segel bei Wind von hinten wieder hochkommt und umher weht. Wir haben ein halbes Dutzend davon griffbereit am Niedergang hängen, denn sie halten recht ordentlich was aus. Sie sind selten zu finden und man sollte mindestens zwei Stück mitbringen. Daneben gibt es die Gummibänder mit Haken oder Kugeln als Verschluss. Auch die sind an Bord sehr hilfreich, gehen aber schneller kaputt, reißen und sind immer zu lang oder zu kurz. Sie nehmen aber wenig Platz ein. Da sie recht günstig und in Segelläden oft vorrätig sind, kann man sie auch vor Ort kaufen und muss sie nicht zwingend mitbringen. Ein halbes Dutzen ind verschiedenen Längen sollte reichen. Wir sichern damit das Landstromkabel an der Reling und viele andere Dinge.


Wir hatten es auch schon im Artikel zur Skippermappe erwähnt, wollen es hier aber auch nochmal aufnehmen: das Krepp-Klebeband. Es ist die Universalwaffe zum Kleben, Befestigen und Etikettieren. Zwar nicht unendlich wasserfest, dafür aber im Gegensatz zum (bei uns bisher kaum genutzten) Panzertape leicht abreißbar und hinterher gut ohne Klebereste wieder ablösbar. Einfach eine schmale Rolle einpacken.
Besser sehen
Ein gutes Fernglas stand bei uns sehr früh auf der Wunschliste. Und zwar weil wir als Hobbyfotografen eine gute Optik schätzen. Nun ist Fernglas nicht gleich Fernglas, denn je nach Bauart und Größe haben sie unterschiedliche Vor- und Nachteile. Wir besitzen insgesamt 6 Ferngläser mit verschiedenen Formen und Bauarten im Preisbereich von 100 € bis 1500 €. Kurz zusammengefasst: Ein Bord-Fernglas sollte idealerweise ein 7x mit großen Eintrittslinsen, großem Sichtfeld und in Porro-Bauart sein. Wir verwenden das Steiner Navigator 7×50 mit Peilkompass.
- Durch die Bauform mit Porro-Prismen hat es mehrere Vorteile gegenüber Dachkant-Prismen:
- Die Tiefe des scharfen Bereiches ist sehr lang. D. h. einmal auf etwas in 200m Entfernung eingestellt, ist der Bereich 50m bis unendlich im Fokus. Bei den Dachkantprismen muss man wegen des engeren Fokusbereiches immer nachfokussieren wie bei einer Fotokamera.
- Durch die weit auseinander liegenden Eintrittslinsen entsteht ein verstärkter räumlicher Sichteindruck
- Größere Linsen sind grundsätzlich gut, um einen optischen HDR-Effekt zu erzielen, d.h. dunkle Schatten erscheinen etwas heller. Leider erzeugen größere Linsen auch mehr Bildfehler in Form von Farbsäumen. Das Steiner hat diese unserer Erfahrung nach sehr gut reduziert.
- Die 7x-Vergrößerung mag wenig erscheinen, aber bei dem Gewackel und Geschaukel an Bord ist eine höhere Vergrößerung schwerer aufs Ziel auszurichten und zu stabilisieren. Wir haben es ausprobiert.
- Das Steiner hat einen sehr angenehmen großen Bildkreis, d.h. man hat nicht das Gefühl, durch eine Pappröhre zu schauen.
- Ein integrierter Kompass ist nicht nötig. Uns hilft er aber, wenn wir das Fernglas übergeben und den anderen zum beobachteten Objekt hinleiten wollen. So bleibt uns folgende Diskussion erspart:“Wo ist die nächste Fahrwassertonne?“ „Da hinten drei Fingerbreit rechts von der Gefahrentonne“ „Welche Gefahrentonne? Da sind zwei“
Muss es das Steiner Navigator sein? Nee. Wir hatten auch mal auf einem Charterboot ein Minox mit ähnlichen technischen Daten. Das gab es damals für den halben Preis des Steiner Navigator und war zumindest optisch ähnlich gut, fühlte sich aber nicht so massiv und robust an. Ein günstiges „Marine-Fernglas“ Binolyt Runner II für ca. 100-150€, haben wir auf der Tripel vorgefunden und kaum benutzt. Unbrauchbar ist dieses auch nicht, kommt aber bei Schärfe und Haptik nicht ganz mit. Es ist dennoch an Bord, damit wir beim Robbenbeobachten nicht ums Fernglas streiten.
Ein Steiner Commander für 1000€ oder mehr war uns wiederum nicht den Aufpreis wert. Im Bereich ab 300€ sollte man also schon ganz gute Ferngläser bekommen, wenn man auf Kompasse etc. verzichten kann.
Sicherheit
Auch beim Thema Sicherheit haben wir schon zum zweiten Chartertörn ein paar eigene Upgrades mitgebracht.
Auch wenn wir stets Rettungswesten an Bord vorgefunden haben, so fehlte gelegentlich doch etwas Entscheidendes, um sich damit auch sicher zu fühlen: Uns fehlten Strecktaue und Lifelines. Daher haben wir uns zwei 12m Strecktaue aus Gurtband besorgt. Die werden am Anfang des Törns zwischen zwei sehr stabilen Punkten über die gesamte Schiffslänge gespannt und eingestellt und am Ende des Törns wieder eingerollt und mitgenommen.

Das Gurtband sollte flach und möglichst entlang der Schiffsmitte verlegt werden. So weit außen wie wir es an Bord führen, ist es nicht ideal, bei uns aber leider nicht anders machbar. Wem die Gurtbänder zu klobig im Gepäck sind, der kann auch 4-6 mm Dyneema an Bord verlegen. Dyneema-Leinen ohne Mantel sind sehr leicht, innen hohl und drücken sich platt, wenn man drauftritt, anstatt unterm Schuh zu rollen. Es gibt 10m-Rollen ab etwa 18€ im Handel. Davon zwei Stück, plus dicke Schäkel zum Befestigen an den Fixpunkten, sollten genügen. Dyneema muss aber gespleisst werden, da Knoten nicht gut halten und das Material zu viel Bruchlast verliert. Wichtig ist, auf das korrekte Material zu achten! 4mm Dyneema hat eine Bruchlast von ca. 1,5 Tonnen! Da kommen Polyester, Nylon etc. bei Weitem nicht heran!
Neben den persönlichen 3-Punkt-Lifelines haben wir zudem eine extra Lifeline gekauft, die wir je nach Boot an der Stelle fest montiert haben, an der sie uns sinnvoll oder beruhigend erschien. Psyche spielt ja auch eine Rolle als Wohlfühlfaktor.
Komfort
Eines der praktischsten Gegenstände an Bord sind Fliegengitter für die Deckluken. Es gibt welche, die mit Bleiband beschwert von außen über die geöffneten Luken gelegt werden können. Wir bevorzugen aber die, die mit einem Saugnapf von innen montiert werden. So kann uns nix wegwehen, auch wenn die Luke nur leicht geöffnet ist oder durch die moderne flache Bauweise wenig Halt für ein außen montiertes Fliegennetz bietet. Einziger Nachteil: Die Insekten können natürlich in den Bereich zwischen Fliegengitter und Luke vordringen. Bei Spinnen ist das kein Problem, die kann man wieder einfangen. Bei Mücken und Fliegen hilft es, vor dem Lösen ein paar Mal von unten zu klopfen oder zu pusten und sie zu verscheuchen. Zum Verstauen werden sie wie ein Faltzelt verdreht und zusammengelegt. Verstaut in den mitgelieferten Stausäckchen passen sie in jeden Stauraum. Wir sind zufrieden und haben 4 Stück in 2 Größen.

Ein weiterer Komfortgegenstand ist der 12V-zu-USB-Ladeadapter. Man weiß nie, wie viele Steckdosen man an Bord vorfindet (unsere Tripel hat genau eine) und ob diese auch während der Fahrt oder vor Anker funktionieren. Ein 12V-Zigarettenanzünder-Stecker ist aber fast immer vorhanden und wird aus dem Bordnetz gespeist. Man kann also ohne Landstrom seine Geräte laden. Wichtig ist, dass man keine Großverbraucher damit lädt, aber 45W für ein MacBook Air oder anderes Notebook sind möglich. Darüber hinaus könnte es womöglich mit den ersten Sicherungen des 12V Ladesteckers knapp werden. Wir haben eine kleine Sammlung verschiedener Ladestecker, die mit der Zeit immer größer wurden. Letztlich sind wir bei einem mit 105W Ausgangsleistung verteilt auf 3 Ausgänge geblieben. Damit laden wir Notebook, Tablet und Smartwatch parallel und das Bordnetz fängt noch nicht an zu ächtzen.
Als Letztes wollen wir uns gerne dem Thema Taschenmesser oder Multitool widmen. Generell sind diese Werkzeugsammlungen eine feine Sache, wenn man denn das Eine mit den richtigen Werkzeugen für seinen Zweck findet. Es gibt an Bord 2 Anwendungen: für die Person und für das Schiff. Ersteres bezieht sich vor allem auf kleine Reparaturen, die einfache Kreuzschlitzschraube oder auch mal die Maniküre. Die Anforderungen sind eher moderat, und man kann sich gerne ein kleines kompaktes Multitool ohne Messer oder etwa das Victorinox Kartentool einpacken.
Der Einsatz als Werkzeug für das Schiff, als Schäkelöffner, Hilfe beim Knoten öffnen, Leinen zuschneiden etc. erfordert dagegen eine höhere Belastbarkeit. Es muss auch mal das Multitool als Hammer herhalten. Hier hat sich ein Bestimmtes als besonders hilfreich im Decksdienst erwiesen: das Victorinox SwissTool. Das meistgenutzte Werkzeug war für mich der robuste, kleinste Schlitzschraubendreher zum Aufhebeln oder Öffnen von Knoten, gefolgt von der Zange und der Schere. Mir gefällt die Auswahl an Werkzeugen deutlich besser als bspw. beim Leatherman Wave+.
Das Wave hat zwar eine einhändig aufklappbare Zange, die bessere Klinge und eine kleinere, aber stabilere Schere. Aber! Ihm fehlen die robusten Hebelwerkzeuge. Auch stört es mich, dass nicht alle Werkzeuge von außen zugänglich sind. Man muss es erstmal aufklappen. Und schlussendlich ist das Victorinox zwar arretierbar, aber nicht einhändig zu öffnen. Daher hat man weniger Erklärungsnot nach dem deutschen Waffengesetz. Das Leatherman ist aber ein ausgezeichneter Hammer und mit beiden zusammen kann ich das Boot im Herbst komplett abriggen und im Frühling wieder zusammenbauen.


Falls ihr euch für den Einsatz eines Multitools entscheidet, informiert euch dringend vor dem Packen eurer Tasche über die unterwegs geltenden Waffengesetze, auch in Transitländern bei der An- und Abreise. Denn auch relativ kleine Klingen könnten schon problematisch sein!
Was gehört nicht in die Skippertasche?
Handfunkgeräte, so praktisch man sie finden mag, sind hier fehl am Platz. Denn auch die müssen über die Zuteilungsurkunde für das Boot zugelassen sein. Das ist für Charterboote einfach nicht möglich. Zusätzlich müssen MMSI- und ATIS-Kennungen eingespeichert werden. Diese kann man hinterher meistens nicht ohne Weiteres wieder zurücksetzen und beim nächsten Törn neu einstellen. Als reine Chartersegler könnt ihr ein eigenes Handfunkgerät beruhigt von eurer Wunschliste streichen.
Wer dennoch unbedingt eines haben will, der sollte sich vorher über die Prozedur zum Zurücksetzen informieren. Manche Hersteller, wie Standard Horizon, erlauben dies mit einem Reset-Code, den man per E-Mail beim Hersteller anfragen kann. So steht es zumindest im Handbuch unseres Gerätes. Beim Nachfolger scheint es ebenfalls möglich.
Wer häufig chartert, will möglicherweise eine eigene, gut sitzende und an die eigenen Körperformen angepasste Rettungsweste mitbringen. Vielleicht spielt aber auch der Sicherheitsgedanke eine Rolle und man möchte eine gut ausgestattete Weste mit Spraycap, Licht und Notsender. Das sind alles gute persönliche Überlegungen. Haben wir auch gemacht. Aber jeder für sich aus seinem eigenen Komfort- und Sicherheitsempfinden heraus. Als Skipper pauschal Rettungswesten für alle mitzuschleppen ist nicht sinnvoll.
Auch den allgemeinen 200-Teile-Werkzeugkasten kann man getrost zu Hause lassen. Zum einen wollen die Vercharterer gar nicht, dass ihr am Motor irgendeine Wartung selbst macht. Zum anderen liegt an Bord meistens alles, was ihr im Ernstfall benötigen könntet. Oder es gibt ein Netz aus Serviceunternehmen am Revier, die der Vercharterer für die schnelle Reparatur beauftragen kann. Man ist also nicht völlig hilflos.
Große Segelmesser sind höchst problematisch, denn in vielen Ländern fallen sie unter Waffengesetze und das Mitführen im Gepäck kann euch in ernste Probleme bringen. Wir haben mit dem empfohlenen Multitool eine noch kleine, kompakte Klinge, die für alle bisherigen Einsätze völlig ausreichend war. Und auch dort ist eine vorherige, eingehende Beschäftigung mit den örtlichen Waffengesetzen unerlässlich. Als Hangepäck im Flieger sind natürlich beide nicht möglich.


