Was bedeutet das Bleib-Weg-Signal? Hier die umfassende Erklärung

Wer die Schallsignale für die Sportbootprüfungen gelernt hat, kennt das Bleib-Weg-Signal (kurz-lang „bleib weeeeeeg!“). Doch viel mehr steht dazu in den meisten Lernhilfen auch nicht. Was bedeutet es und wie muss man sich verhalten? Wir wagen einen Blick ins Gesetzbuch.

Dieser Artikel ist keine juristische Beratung und weder garantiert vollständig und korrekt noch aktuell. Ich war einfach neugierig und hatte Langeweile.

Was ist das Bleib-Weg-Signal?

Das Bleib-Weg-Signal ist in der SeeSchStrO definiert, genauer gesagt in Anlage 2 (Sicht- und Schallsignale der Fahrzeuge) unter der Nummer 2.2.

Es ist definiert als

  • ein kurzer Ton, ein langer Ton
  • Es wird pro Minute mindestens 5-mal hintereinander wiederholt mit je 2 Sekunden Zwischenpause.
  • Sofern das gebende Fahrzeug entsprechend ausgerüstet ist, muss auch das gleichlautende Listsignal mit einem weißen Rundumlicht gegeben werden.

Wenn man bedenkt, dass ein kurzer und langer Ton zusammen schon bis zu 8 Sekunden dauern, und zwischen den Wiederholungen noch 2 Sekunden Pause sind, dann ist nur an 10 Sekunden jeder Minute mit Stille zu rechnen. Es dudelt also eigentlich permanent.

Das Signal ist eine Warnung an umliegende Schiffe, dass

  • bestimmte gefährliche Güter oder radioaktive Stoffe
  • frei werden, oder drohen, frei zu werden,
  • oder es droht eine Explosionsgefahr.

Es wird so lange gegeben, wie die Verkehrslage es erfordert.

Das Bleib-Weg-Signal ist eine deutsche Erfindung. Es gibt in den KVR kein Schallsignal mit einer derartigen Bedeutung. Damit ist es nur im Geltungsbereich der SeeSchStrO relevant und ihr werdet es auf hoher See vermutlich nicht antreffen. Es kann sogar sein, dass das Signal in anderen nationalen Regelwerken völlig anders belegt ist.

Wer gibt das Bleib-Weg-Signal?

Das Schallsignal ist zunächst für „Fahrzeuge sowie Schub- und Schleppverbände“ definiert. Im Bereich von Liegestellen und Umschlagstellen ist es auch von den Betreibern der Umschlaganlage zu geben. Deshalb müssen sie mit der entsprechenden Schallsignalanlage ausgerüstet sein. Es gelten für den Anlagenbetreiber die gleichen Ausrüstungsstandards wie für Schiffe (KVR Anlage 3).

Der Begriff der „bestimmten gefährlichen Stoffe“, die dieses Signal rechtfertigen, ist in § 2 Abs.1 Nr. 16 der SeeSchStrO definiert. Dieser enthält leider nur unverständliches Blabla, das einige weitere internationale Gefahrgutnormen aufzählt. Hier sind sie grob aufgeschlüsselt:

  • IMDG-Klasse 1 Unterklassen 1.1, 1.2, 1.3 (Explosivstoffe: Massenexplosion, Splittergefahr, starke Brandwirkung),
  • IMDG-Klasse 4.1 (entzündbare feste Stoffe / desensibilisierte Explosivstoffe) mit zusätzlichem Kennzeichen „Explosionsgefahr“,
  • IMDG-Klasse 5.2 (organische Peroxide) mit zusätzlichem Kennzeichen „Explosionsgefahr“,
  • jeweils > 100 kg je Fahrzeug, und
  • als Massengut beförderte Stoffe nach § 30 Abs. 1 Nr. 1.

Schauen wir in § 30 Abs. 1 Nr. 1, dann listet der wiederum eine Reihe weiterer Güterarten nach internationalen Normen auf:

Interessanterweise gibt es in §30 Abs.1 Nr. 2 auch die Nennung von Standards für Schiffe, die verpackte hochradioaktive Stoffe befördern. Aber diese Nummer wurde im vorherigen §2 Abs.1 Nr. 16 nicht explizit verwiesen. Da die ursprüngliche Definition des Bleib-Weg-Signals aber radioaktive Stoffe bereits genannt hat, scheint das Bleib-Weg-Signal auch für leicht radioaktive Stoffe zu gelten.

Wie verhalte ich mich bei einem Bleib-Weg-Signal?

Das Verhalten ist ebenfalls in der SeeSchStrO geregelt, und zwar in §37 (Verhalten bei Schiffsunfällen) Abs.5. Dort heißt es sinngemäß:

Auf Fahrzeugen, die das Bleib-Weg-Signal (…) wahrnehmen, sollen unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zur Abwendung der drohenden Gefahr ergriffen werden.

Insbesondere nennt der Paragraf:

  • alle nach außen führenden und nicht für den Schiffsbetrieb benötigten Öffnungen verschließen
  • Alle nicht für die Gewährleistung der Sicherheit des Schiffes, der Besatzung und der Ladung erforderlichen Hilfsmaschinen abstellen
  • Nicht geschützte, offene Feuer löschen und das Rauchen einstellen
  • Geräte mit glühenden oder Funken gebenden Teilen stilllegen.

Heißt also, dass man neben dem großräumigen „weg bleiben“ vor allem vermeiden soll, irgendetwas zu tun, was die brand- und explosionsgefährlichen Stoffe zum Brennen oder Explodieren animieren könnte.

Was genau da gerade austritt oder gefährdet, kann man am Signal alleine nicht erkennen. Da es sich hier um eine Gefährdung des eigenen Schiffs und aller darauf befindlichen Personen handelt, sollte man das „Bleib weg“ auch dringend wörtlich nehmen und nicht mal daran denken, näher ranzufahren und nachzuschauen.

Es wird in so einem Fall sicherlich viel Funkverkehr auf Kanal 16 und weiteren Kanälen geben, denn es handelt sich hierbei ziemlich sicher um einen meldepflichtigen Sunfall. Es ist also gar nicht nötig, näher heran zu fahren um nachzuschauen, man muss nur den Funk abhören, und laufenden Notverkehr dabei keinesfalls stören, es sei denn man hat selbst eine MAYDAY-Situation.

Noch ungeklärt ist die Frage, ob man zum Beispiel bei einem gleichzeitigen Seenotfall, bzw. MOB zu Hilfe eilen oder sich von der Gefahrenstelle fernhalten sollte. Die Priorität ist in der SeeSchStrO nicht explizit geklärt. Im Zweifel geht für mich aber die Sicherheit des eigenen Schiffes und der Mannschaft vor. Hilfeleistung wäre aus meiner Sicht gemäß §2.2 Verordnung über die Sicherung der Seefahrt „aufgrund besonderer Umstände unzumutbar“ und ich würde einen Vermerk ins Logbuch eintragen und ggf. über den gesichteten MOB per Funk melden.

Fazit

Das Bleib-Weg-Signal ist bei genauem Hinschauen tatsächlich eines der komplizierteren Schallsignale. Die Bedeutung ist aber ziemlich klar. Die nötigen Verhaltensweisen muss man aber erst mal suchen. Schreib mir in die Kommentare, ob der Artikel hilfreich war!

2 Gedanken zu „Was bedeutet das Bleib-Weg-Signal? Hier die umfassende Erklärung“

  1. Richtig hilfreich.
    Dazu habe ich nirgends eine so ausführliche und unterhaltsame Erklärung gelesen!
    Kommt hoffentlich nie vor, kann aber leben retten. Danke für den kurzweiligen Artikel!

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